Szenario Digipolis Arbeiten 2030
Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Szenarios Digipolis 2030 geben den Menschen maximale Freiheit für ihre individuelle Lebensplanung. Die fortschreitende Digitalisierung macht das Leben für die Bevölkerung einfacher und angenehmer. Zentrale Gründe dafür sind die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens und hohe datenschutzrechtliche Standards.
Szenario Arbeit 4.0 Digipolis Bedingungsloses Grundeinkommen Arbeitszeitverkürzung
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Kurzbeschreibung

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Szenarios Digipolis 2030 geben den Menschen maximale Freiheit für ihre individuelle Lebensplanung. Die fortschreitende Digitalisierung macht das Leben für die Bevölkerung einfacher und angenehmer. Zentrale Gründe dafür sind die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens und hohe datenschutzrechtliche Standards.

Allgemeine Szenariobeschreibung Digipolis

In den Jahren zwischen 2016 und 2020 wurde die Automatisierung jeglicher Arbeitsabläufe durch die produzierende Industrie Hand in Hand mit den großen IT-Konzernen wie IBM, Apple und Google immer weiter verbessert. Hochleistungsrechenzentren auf der ganzen Welt unterstützten mehr und mehr die Roboter in den Werken der Hersteller und die Robo-Bots im Dienstleistungsbereich. Die anfängliche Euphorie wich in den Jahren schnell einer starken Ernüchterung, denn immer mehr Menschen wurden in ihren Berufsbranchen überflüssig. Jobverluste führten zum Einbruch der Kaufkraft in jeder Bevölkerungsschicht und dem damit verbundenen Sinkflug der Wirtschaft in Deutschland. Um soziale Unruhen und die Abwärtsspirale der Wirtschaft aufzuhalten, startete die Bundesregierung zusammen mit einigen anderen europäischen Staaten zum 01.01.2021 die Agenda Europa21, die eine Neuorganisation der Staatshaushalte und die Auszahlung eines „bedingungslosen Grundeinkommens“ beinhaltete.

 

Identitätsstiftung in allen Lebensbereichen

Durch die Auszahlung des Grundeinkommens kam es in den letzten Jahren zu einem Wertewandel in der Gesellschaft: Die früher vorherrschende Sinnstiftung durch Arbeit wurde durch individuelle Identitätsstiftung ersetzt. Die gewonnene Zeit durch den Wegfall des ökonomischen Druckes brachte die Menschen wieder dazu, dass zu tun, worauf sie wirklich Lust hatten und was sie erfüllte – sei es Hobby, Beruf oder soziales Engagement. Immer mehr Menschen engagieren sich bspw. in der Flüchtlingshilfe oder in der Altenpflege. Dieses Engagement basiert auf intrinsischen Motiven, nicht auf einem staatlichen Anreizsystem. Engagement bringt Anerkennung und soziales Kapital, zudem verbessert es den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft. Durch das Grundeinkommen findet Selbstverwirklichung in jedem Lebensbereich statt und nicht mehr nur, wie noch 2016 der Fall, hauptsächlich durch Lohnarbeit.

 

Gesteigerte Kreativität und Innovationskraft

Muße und Müßiggang gelten heute nicht mehr als verpönte Zeitverschwendung, sondern werden begrüßt und gefördert. Der Wegfall des Leistungsdrucks durch das Grundeinkommen führte zu einem deutlichen Anstieg von Kreativität – sowohl in der Freizeit wie auch im Beruf. Eine Vielzahl an neuen erfolgsversprechenden Geschäftsideen, unter anderem im Bereich Datenschutz, ist in den vergangenen Jahren in Deutschland entstanden. Die Bevölkerung hatte in den Jahren der großen Expansion von Automatisierung und Digitalisierung gemerkt, dass die gesammelte Datenflut der amerikanischen Internetgiganten immer weiter gegen sie selbst verwendet wurde – als Krankenkassen und Staat auf die Daten systematisch Zugriff erlangen wollten, war für große Teile der Bevölkerung Schluss. Die noch fast blinde Sammlung von Daten im Jahr 2016 wurde durch die strukturierte Auswertung durch Großrechner ersetzt. Die Nachfrage nach gut geschützten Systemen stieg rasant und bedeutende innovative Ideen zum Thema Datenschutz kamen aus Deutschland. Das Land ist seit 2025 Vorreiter in diesem Bereich, eine Vielzahl an Unternehmen wurden gegründet und damit neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Vermarktung der Datenschutz-Technologie „Made in Germany“ bringt der Wirtschaft zudem einen enormen Aufschwung und stellt eine beachtliche Einnahmequelle dar.

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Wertschätzung individueller Lebensmodelle

Durch Individualisierung entstanden schon vor einigen Jahrzehnten verschiedene Beziehungs- und Lebensentwürfe, welche durch die starren gesellschaftlichen Strukturen allerdings oft misstrauisch beäugt oder offen diskriminiert wurden. Heutzutage können homo- und heterosexuelle Paare, Patchwork-Familien, alleinerziehende Elternteile oder Großfamilien gleichberechtigt nebeneinander existieren. Dank bedingungslosem Grundeinkommen ist zudem die Geburtenrate in Deutschland stark angestiegen, junge Paare sind eher bereit, Kinder zu bekommen oder zu adoptieren. Dies ist ein erster Schritt gegen die voranschreitende Überalterung der Bevölkerung, die bereits in den 2010er Jahren beklagt wurde. Familienmitglieder können sich zudem selbst um pflegebedürftige oder ältere Angehörige kümmern und so einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.

 

Verbesserter Gesundheitszustand durch Wegfall belastender Arbeiten

Der Wegfall von Arbeitsplätzen in verschiedenen Branchen hatte nicht überall negative Folgen: Roboter ersetzen zwar nicht nur standardisierte Fließbandarbeiten oder einfache Büroaufgaben, sondern auch Transportdienstleister oder Buchhalter. Vorwiegend wurden aber gefährliche, anstrengende, gesundheitsschädliche oder schmutzige Berufe automatisiert und digitalisiert. Übrig blieben Tätigkeiten, bei denen man nicht auf menschliche Fähigkeiten verzichten wollte und konnte, wie beispielsweise in der Rechtsprechung, in der Pflege oder Ausbildung.

Durch den Wegfall körperlich und geistig belastender Arbeit kam es zu einer deutlichen Verbesserung des psychischen und physischen Gesundheitszustands der Bevölkerung. Volkskrankheiten wie Burnout, die noch 15 Jahre zuvor wie eine Epidemie ganze Abteilungen befielen, sind nahezu ausgelöscht. Die Anzahl an berufsbedingten Verletzungen und langfristigen Schädigungen ging seit Einführung der Robotik in weiten Arbeitsbereichen drastisch zurück, was weiterhin zu signifikanten Einsparungen im Gesundheitssystem führt.

 

Gesteigertes Politikinteresse in der Bevölkerung

Das Umdenken der Unternehmen fand nicht alleine aufgrund der höheren Leistungsbereitschaft der Beschäftigten statt. Begleitet wurde dieser Wandel von starken politischen Vorgaben und Regulierungen. Dies wurde unter anderem dadurch möglich, dass sich immer mehr Menschen in ihrer neugewonnenen Freizeit nicht nur mit Bildung, Pflege von Verwandten, Kunst oder Sport beschäftigten, sondern eben auch mit Politik. So bildeten sich starke politische Verbände, neue Parteien und auch die Wahlbeteiligung liegt so hoch wie nie, seitdem das Wahlsystem digitalisiert und für Bundesbürger ab 16 Jahren freigegeben wurde.

 

Schutz von Gesundheitsdaten durch digitalen hippokratischen Eid

Die technische Gesundheitsüberwachung mithilfe von Wearables bekam durch die fortschreitende Digitalisierung der Welt eine immer größere Bedeutung. Die Menschen merkten, dass sich dadurch viele Probleme mit ihrer Gesundheit besser beobachten ließen, doch war auch die unkontrollierbare Auswertung der Daten von Großkonzernen wie Apple und Google soweit gestiegen, dass hier neue Datenschutzrichtlinien verlangt wurden. Im Aufschwung der Datenschutzwelle im Jahre 2025 wurde erstmals über den „digitalen hippokratischen Eid“ gesprochen, der digital aufgenommene Gesundheitsdaten streng vertraulich machen sollte. Schon ein Jahr später beschloss die Regierung ein passendes Gesetz zur „Sicherung von digital abgeschöpften Gesundheitsdaten über Wearables“: Die erhobenen Daten dürfen ausschließlich zur weiteren Verbesserung des Gesundheitszustands der Benutzer verwendet werden. Es bildeten sich zahlreiche neue Startups in Deutschland, die sich mit der technischen Umsetzung dieses neuen Standards beschäftigten.

 

Individuelle Bildung als Selbstzweck

Das Bildungsniveau ist in den letzten Jahren ebenfalls kontinuierlich angestiegen. Der Humboldtsche Bildungsgedanke setzte sich verstärkt durch, Bildung wird als Selbstzweck wahrgenommen. Immer mehr junge Menschen wenden sich auch wieder philosophischen Fragen im Studium zu und lernen durch Diskussionen und Gedankenexperimente das freie Denken. Viele entdecken so auch ihre Leidenschaft für die Politik. Aber natürlich sind nicht nur geisteswissenschaftliche Studiengänge beliebt. Durch Digitalisierung und Automatisierung hat die Bedeutung von Technik-Knowhow und Wissen stark zugenommen. Bereits in der Grundschule werden Kinder an technische Themen herangeführt, der Umgang mit Technologien und Robotern ist selbstverständlich. Durch die frühzeitige Beschäftigung mit Technik ergreifen auch immer mehr Mädchen und Frauen technische Berufe oder beschäftigen sich in ihrer Freizeit gerne mit handwerklichen Dingen.

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Grundeinkommen
Exkurs Bedingungsloses Grundeinkommen

Die Auszahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens beginnt ab dem 15. Lebensjahr mit 400€ monatlich, mit dem 18. Lebensjahr steigert sich der Betrag auf 950€. Ab dem 21. Lebensjahr erhält man den Einkommenshöchstsatz von 1500€ monatlich, welches dank gesunkener Lebenshaltungskosten für ein sorgloses Auskommen reicht. Wer einem bezahlten Beruf nachgeht, erhält sein Lohneinkommen zusätzlich zum Grundeinkommen ausbezahlt. Ab einer Einkommensgrenze von 5000€ wird das überschüssige Einkommen abgeschöpft und verteilt.

Grundeinkommen
Grundeinkommen

Literatur

Zum Weiterlesen und Vertiefen.

  • Agnolazza, Stephan (2016): Einkommen auch ohne Arbeit: Macht das die Welt gerechter?. Xing Spielraum. (Zuerst erschienen in der Liechtensteiner Zeitung „Wirtschaft regional“).
  • Balzter, Sebastian (2016): Grundeinkommen: Geld für gar nichts. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.5.2016.
  • Brynjolfsson, Erik; McAfee, Andrew (2014): The Second Machine Age: Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird. Kulmbach: Plassen Verlag
  • Ludwig, Carolin; Weller, Chris (2016): Eine Stadt in Schweden testet den 6-Stunden-Arbeitstag — mit überraschenden Ergebnissen. In: Business Insider Deutschland, 25.5.2016.
  • Straubhaar, Thomas (2016): Warum wir ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen. In: Welt Online, 17.5.2016.
  • Wagenknecht, Sahra (2016): Reichtum ohne Gier: Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten. Frankfurt am Main: Campus Verlag
  • Werner, Götz W. (2008): Einkommen für alle: Der dm-Chef über die Machbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe