Umschichtung statt Verlust der Arbeit
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Technokratie

Kurzbeschreibung

Im Zentrum des dystopischen Szenarios Technokratie steht die Umschichtung von Berufen. Um den neuen digitalen Gegebenheiten überhaupt gerecht zu werden, sind die Arbeitnehmer gezwungen, sich kontinuierlich weiterzubilden und sich permanent neues Wissen anzueignen.

Allgemeine Szenariobeschreibung

Maschinen, die die industrielle Produktion vollautomatisch steuern und überwachen, Roboter, die in Megaregallagern von Amazon, Thalia und Co. eingehende Bestellungen selbst bearbeiten und Hochleistungsrechner, die in Ämtern und Unternehmen sämtliche administrative Aufgaben übernehmen und teils strategische Entscheidungen selbstständig treffen. Der Arbeitsmarkt im Jahr 2030 ist ein anderer: zum einen gab es zahlreiche Jobverluste hinzunehmen. Dabei waren nicht, wie gedacht, nur die Arbeitnehmer am Fließband oder in sonstigen niedrigen Arbeitsplätzen betroffen, sondern durch die fortschreitende Präsenz von intelligenten Rechnern auch zahlreiche Angestellte und Führungskräfte bis ins mittlere Management.

 

Umschichtung von Arbeitsplätzen zwischen den Berufsfeldern

Drastischer als die Verluste von Arbeitsplätzen war jedoch die gewaltige Umschichtung von Arbeitsplätzen zwischen den Berufsfeldern durch die Digitalisierung und Automatisierung. Ein Fließbandarbeiter, der noch vor 15 Jahren in feinster Detailarbeit eine Modelleisenbahn zusammengebaut hat, ist heute nur noch für die Instandhaltung des Roboters zuständig, der seine Arbeit vollständig übernommen hat. Die traditionelle Trennung in metall-, elektro- und informationstechnische Berufe wurde von den Feldern Inbetriebnahme, Betreiben und Instandhaltung der Maschinen und Roboter gänzlich ersetzt.

 

Digitale Kompetenzen zunehmend wichtiger

Heute zählen nur noch digital technische Kompetenzen. Gerade Programmierer und Informatiker mit besonderem Schwerpunkt auf Industrie 4.0 sind derzeit gefragter denn je. Im Zuge dessen hat in den letzten Jahren auch das deutsche Bildungssystem einen rasanten Wandel durchlebt. Anstatt einer vielseitigen Allgemeinbildung lernen unsere Kinder von der Grundschule an nur noch HTML und Java Script, um sich nach ihrem selbstverständlichen Studienabschluss perfekt in die deutsche Roboter-Arbeitswelt einzufügen.

 

Angst vor Austauschbarkeit und Druck zur Selbstoptimierung

Kaum einer ergreift noch den Beruf, den er gerne ausüben möchte, sondern versucht sich so gut wie möglich den Umständen anzupassen und das Verlangte zu erfüllen.  Arbeit hat nicht mehr wie früher eine sinnstiftende Funktion und soll möglichst viel Spaß machen – seit der Umschichtung dient die Arbeit dem puren Überleben in dieser Einheitsmaschinerie, in der fast jeder austauschbar ist und nur wahre digitale Spezialisten die Macht haben. Damit einher geht ein enormer Druck zur Selbstoptimierung bei dem die Individualität der 2010er Jahre verloren ging. Alles geht einen einheitlichen Weg, von der Schule bis zum Studium – echte Typen mit Ecken und Kanten sind nicht mehr gefragt. Hauptsache man versteht sich mit der heutigen Technik. War die Selbstoptimierung damals noch meistens auf die Freizeit, den Sport, die Gesundheit und Ernährung bezogen – sind diese Dinge heute unwichtiger geworden. Vorbei ist der Fitnesswahn, Geschichte ist der Hashtag #healthyfood – ein jeder verbringt Stunden, Tage, Wochen vor seinem PC und versucht sich durch Webinare in Richtung Arbeiten 4.0 weiterzubilden.

 

Allgegenwärtige Überwachung durch den Arbeitgeber

Wir befinden uns in einer Zeit, in der Unternehmen durch die allgegenwärtig künstliche Intelligenz angetrieben sind, stets die Besten der Besten auszuwählen und somit die Effizienz ins Unermessliche zu steigern. Deshalb wird jeder, der tatsächlich den Sprung in die digitale Arbeitswelt geschafft hat, dauerhaft von seinem Arbeitgeber via Chip-Implantat überwacht. Nicht nur bei der Arbeit wird die Effizienz überprüft, auch das Freizeitverhalten und die Ernährung sowie Gesundheit werden bis ins kleinste Detail analysiert und überprüft. Vorbei sind die Zeiten, an denen man sich am Abend bedenkenlos eins, zwei, drei Bier genehmigen konnte, denn der Chef steht am nächsten Tag sicher mit einem Verweis auf der Matte und fordert höchste Konzentration und maximales Arbeitsvermögen für den Job. Schön waren die guten alten Zeiten, in denen bloß Google, Facebook und Amazon uns überwachten.

Szenario Technokratie Umschichtung
Szenario Technokratie Umschichtung
Szenario Technokratie Umschichtung